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Vermisst!
Wo ist das Lucas-Cranach-Gemälde aus der Propsteikirche St. Trinitatis hingekommen?![]() Vor 200 Jahren waren Gemälde von Lucas Cranach d. Ä. nicht unbedingt ein Renner in der Kunstwelt. Sie lagerten im Fundus der Museen oder standen auf den Dachböden von Kirchen. Sie waren so wohlfeil, dass sich im 19. Jahrhundert die St. Trinitatisgemeinde die Anschaffung einer Kreuzigungsdarstellung Christi dieses Künstlers leisten konnte. Sie hängte das Bild auf der linken Seite des Altarraumes auf. Das Gemälde muss aber zunächst in keinem guten Zustand gewesen sein, wie den Ausführungen Gurlitts auf Seite 193 f des Buches "Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen - Stadt Leipzig" aus dem Jahr 1895 zu entnehmen ist. Das Gemälde wurde deswegen in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen in Dresden aufwendig restauriert. Als im 2. Weltkrieg die Alliierten mit Bombenangriffen auf deutsche Städte begannen, war in der Kunstwelt der Wert des Gemäldes längst unumstritten, so dass der der Direktor des Städtischen Museums Leipzig, Dr. Teupser, seine Auslagerung beantragte. Dies geschah, wie aus den persönlichen Aufzeichnungen des damaligen Gemeindepfarrers Propst Jakob Stranz hervorgeht. Und bereits danach verliert sich seine Spur! Bei der Zerstörung der alten Propsteikirche durch Bomben im Jahre 1943 sind auch viele Akten des Propsteipfarramtes verbrannt, darunter alle Unterlagen über unseren "Cranach", so dass die Gemeinde heute nur indirekt nachweisen kann, dass sie Eigentümerin des Gemäldes ist. Nicht einmal ein Foto, das sie zu seiner Wiedererkennung vorweisen kann, besitzt sie. Was sie hat, ist eine sehr detaillierte fachmännische Beschreibung durch Dr. J. Müller, den seinerzeitigen Museumsdirektor von Chemnitz, die deswegen hier wiedergegeben werden soll: Christus am Kreuz In der Mitte des Bildes das aus rohen, nur stellenweise behauenen Balken gezimmerte Kreuz, an dem Christus, ganz frontal gesehen, hoch über dem Erdboden erhoben, hängt. Das Haupt ist auf die rechte Schulter gesunken. Aus den Wunden des Antlitzes und der Seitenwunde ist Blut geflossen. Die Rinnsale des Blutes reichen bis zum Unterschenkel hinab. Das Lendentuch flattert in knittrigen Falten weit ab. Links vom Kreuz kniet ein bartloser Mann in pelzbesetztem, schwarzen Mantel, die gefalteten Hände zum Beten erhoben. Hinter ihm knien drei Knaben in weißen, mit roten Streifen besetzten Gewändern, offenbar Totenhemden. Auch sie sind betend dargestellt. Rechts vom Kreuz knien, wiederum mit gefalteten Händen betend, zwei Frauen. Die eine der beiden Frauen hat einen reich mit Pelzwerk besetzten Mantel an und eine schleierartige Haube auf dem Kopfe. Die andere trägt einen schwarzen Mantel und eine schwarze Haube. Über den unteren Teil des Gesichtes ist eine weiße Tuchbinde gelegt. Vor den beiden Frauen knien sieben Mädchen in weißen Totenhemden wie die Knaben auf der anderen Seite des Bildes. Bei vier von ihnen sind die Hemden wieder mit roten Streifen besetzt. Hinter den Figuren breitet sich ein reicher landschaftlicher Hintergrund aus. Unter hohem Himmel sieht man eine mit Sträuchern bestandene Ebene, durch die sich ein Fluss windet. Über dem leuchtenden Abendrot ist ein Streifen dunkelbraunen Himmels zu sehen, und darüber Gewitterwolken, vom Abendrot rötlich überstrahlt. Auf einem Steine, mit dem das Kreuz in der Erde befestigt ist, findet sich das Monogramm Lucas Cranachs des Älteren, die geflügelte Schlange, sowie die Jahreszahl 1546. Es handelt sich bei dem Gemälde offenbar um ein Epitaph, das ein Unbekannter für seine verstorbene Gemahlin (die Frau mit der Tuchbinde vor dem Mund) und seine verstorbenen Kinder stiftete. Die Vermutung Gurlitts (Bau- und Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen, Stadt Leipzig, kath. Trinitatiskirche), dass die Tafel aus der Nikolaikirche zu Leipzig stammen und mit dem bei Stetner Nr. 679 bezeichneten Denkmal des Moritz Buchner (= 1544) identisch sein könnte, stimmt nicht, da Moritz Buchner nur einmal verheiratet war und nur vier Söhne hatte. Dass die Tafel aus der Werkstatt des älteren Cranach stammt, ist nicht bezweifelbar. Die Bezeichnung ist nach Form und Krakelüren echt, der Stil einwandfrei der Spätstil Cranachs. Inwieweit die Tafel Werkstattgut ist, bzw. die Hand des Meisters selbst erkennen lässt, ist, wie bei allen Spätwerken Cranachs, schwer zu entscheiden. Wenn die Tafel auch nicht zu den Hauptwerken des älteren Cranach gehört, so ist sie doch kunstgeschichtlich insofern besonders beachtenswert, als sie als einwandfrei datiertes und bezeichnetes Spätwerk den nur aus wenigen erhaltenen Werken überlieferten Spätstil charakteristisch erkennen lässt. Hervorzuheben ist die kraftvolle und frische farbige Bemalung der Landschaft, die der Tafel einen besonderen Reiz verleiht. gez. Dr. J. Müller Dr. Müllers Beschreibung "unseres Cranachs" ist so exakt, dass eine Wiedererkennung im Falle des Auffindens zweifelsfrei möglich sein muss. Wenn Sie uns einen Hinweis geben können, wo und wie wir nach dem verschollelen Bild suchen sollen, wäre die Propsteigemeinde St. Trinitatis Ihnen sehr dankbar. Johann Neudert
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6.04.2009
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