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Geschichte - erzählt




Wie groß war der erste Gottesdienstraum der Leipziger Katholiken in der ehemaligen Pleißenburg wirklich?

Sachstand auf Grund von Veröffentlichungen aus den 70er Jahren ist, dass die Kapelle 38 m2 groß gewesen sein soll. Diese Behauptung ist aber höchst zweifelhaft angesichts der verbürgten großen Zahlen sonntäglicher Gottesdienstbesucher.

Nunmehr ist ein neues Dokument verfügbar, welches die Frage klärt, wie groß die Kapelle in der Pleißenburg wirklich war, nämlich die im Sächs. Staatsarchiv lagernde Klageschrift des Apostolischen Vikariates Dresden gegen das königlich-sächsische Finanzministerium, mit welcher man die Verantwortung des Ministeriums für die weitere finanzielle Unterhaltung eines Ersatz-Gottesdienstraumes nach dem Beinahe-Einsturz der Pleißenburgkapelle erstreiten wollte.

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Zum Vergrößern klicken! - Impression vom Abschluß der Wallfahrt

Legende

In der Schrift werden Angaben über die Größe und Ausstattung der Kapelle gemacht:

Die der kath. Parochialgemeinde zu Leipzig zum alleinigen und unentgeltlichen Gebrauch für ihren Gottesdienst übertragen gewesenen Räume des Schlosses Pleißenburg sind im Erdgeschosse des dem Trotzer gegenüber befindlichen Gebäudes befindlich und bestanden:

  1. Aus einer Eingangshalle mit 2 Fenstern und der 3 ½ Ellen breiten Eingangstüre.
  2. Dem Schiff der Kirche, dessen gewölbte Decke von 8 in der Mitte befindlichen Pfeilern getragen wurde und welche ausschließlich der Fensterbrüstungen 41 Ellen lichte Länge, 28 Ellen lichte Breite und in der Mitte der Bögen 8 Ellen und 12 Zoll Höhe hatte. In der nordöstlichen Wand derselben befanden sich 6, in der nordwestlichen 5 fünf Ellen in Lichten hohe Fenster. Im Innern an der südöstlichen mit Gipsmarmor und vergoldeten Simsen gezierten Wand war der Hochaltar angebracht. Der Hochaltar war mit 4 Säulen aus Gipsmarmor und vergoldeten Gesimsen und Capitälen geschmückt. Der Boden des Kirchenschiffes war mit Fliesen belegt. Das Schiff enthielt ferner 12 Reihen Kirchenstühle in der Mitte und 5 einzelne Subsellien in den Fensterbrüstungen. Die königliche, rings von Glasfenstern umkleidete Tribüne war rechts vom Hochaltare angebracht und hatte eine besondere Eingangstüre vom Hof her. Ihr gegenüber war die Kapelle für den Taufstein angebracht.
  3. Hinter dem Schiff der Kirche befinden sich die zwei Sakristeien, von welchen die eine 3 Fenster in den Schloßgraben hat und mittels einer besonderen Treppe mit den unmittelbar über der Kirche befindlichen Wohnungen der katholischen Geistlichen verbunden ist, die zweite ebenfalls 3 Fenster nach dem Schlossgraben und eine Türe nach dem Kirchenschiff hat. Unmittelbar an diese Sakristei stößt noch ein kleineres Behältnis mit 1 Fenster nach dem inneren Schlosshofe und 2 Fenstern nach dem Schlossgraben.

Nun zu den Größenangaben der Kapelle! Wie ist gemessen worden, mit der Leipziger Elle (= 68,6 cm) oder mit der Dresdener Elle (= 56,6 cm) ?

Da die Pleißenburg ein Bauwerk des sächs. Kurfürsten war, der in Dresden residierte, mag die Dresdener Elle gegolten haben. Demzufolge war die Kapelle innen 23,2 m lang, 15,6 m breit und in der Mitte zwischen den Säulen 4,8 m hoch. Die Fensterhöhe betrug 2,8 m, und die Eingangstür hatte eine Breite von 2 m. Die Bruttofläche der Kirche betrug demnach 362 m2. Wenn also im Vorangehenden immer wieder vom "Kirchenschiff" gesprochen wird, liegt keine Übertreibung vor. Der Raumeindruck war in der Tat der einer etwas niedrigen Kirche! Die Frage, wie in einem Raum, dessen Größe bisher mit 38 m2 angegeben wurde, drei Altäre, eine Königsloge, ein Taufstein, eine Orgel und Platz für 12 Bankreihen sein konnte, ist damit geklärt:

Die Leipziger Katholiken besaßen eine Kirche und keine Kapelle!

Johann Neudert


 
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